Über das Schulungsangebot

Warum gibt es Eltern Lesen Lernen und worum geht es dabei?

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Problemlage

Rund 6,2 Millio­nen Menschen im erwerbs­fä­hi­gen Alter haben laut der „LEO-Studie 2018 – Leben mit geringer Litera­li­tät“ Schwie­rig­kei­ten mit dem Lesen und Schrei­ben. Der Großteil von ihnen kann einzelne Sätze lesen, kann vollstän­dige Texte aber nur schwer erschließen.

Studien zeigen: Kinder, deren Eltern gering litera­li­siert sind, haben gerin­gere Bildungs­chan­cen, weil sie im Zugang zum Lesen benach­tei­ligt sind.

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Auswirkungen auf den Grundschul-Alltag

Im Grund­schul-Alltag sind Lehrkräfte – oder direkter formu­lie­ren: sind Sie als Lehrkraft darauf angewie­sen, dass Aushänge und Briefe von den Eltern verstan­den und Formu­lare ausge­füllt werden. Dies kann man bei Eltern, die nicht gut lesen und schrei­ben können, nicht voraus­set­zen. Die Folge sind u. U. Missver­ständ­nisse, Lehrkräfte müssen Sachver­halte mündlich erläu­tern und das kostet Zeit.

Die Auswir­kun­gen geringer Litera­li­tät der Eltern auf die Kinder erschwe­ren im Einzel­fall die tägliche Arbeit, da diese beson­ders geför­dert werden müssen. Zudem leiden die Kinder darunter, dass sie z. B. zu spät oder falsch angezo­gen zum Ausflug kommen.

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Sensibilisierung

Das Schulungs­an­ge­bot Eltern Lesen Lernen sensi­bi­li­siert Lehrkräfte der Grund­schu­len dafür, dass auch in Deutsch­land nicht alle Erwach­sene gut lesen und schrei­ben können, und welche Ursachen das hat. Im Rahmen der Schulung werden viele Beispiele aufge­grif­fen, die ein Gefühl dafür geben, was es bedeutet, nicht richtig lesen und schrei­ben zu können.

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Befähigung zur Ansprache

Mit dem Schulungs­an­ge­bot werden Lehre­rin­nen und Lehrer dazu befähigt, Eltern mit Schwie­rig­kei­ten im Lesen und Schrei­ben erkennen und anspre­chen zu können. Sie erfahren, worauf es bei der Anspra­che ankommt und wie sie mit Ableh­nung seitens der Eltern umgehen können.

Wir infor­mie­ren außerdem über Grund­bil­dungs­an­ge­bote vor Ort, denn im besten Fall führt die Anspra­che die Eltern dazu, dass sie Kurse besuchen, in denen sie ihre Kennt­nisse verbes­sern können – davon profi­tie­ren letzt­end­lich auch die Kinder.

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Durchführung und Erfahrungen

Die Schulung Eltern Lesen Lernen wurde für Kitas konzi­piert und in allen städti­schen Kitas in Mannheim pilot­haft erprobt. Die Evalua­tion des Pilot­pro­jekts zeigt, dass knapp zwei Drittel der befrag­ten Kita-Mitar­bei­ten­den einen oder sogar mehrere Erwach­sene kennen, die kaum bis gar nicht lesen und schrei­ben können und dass dazu auch Eltern von Kindern aus ihrer Kita gehören. Ausge­hend von dieser Erfah­rung und Gesprä­chen mit Lehrkräf­ten wurde das Schulungs­an­ge­bot für die Grund­schule angepasst.

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Ausblick

Gemein­sam mit dem Pädago­gi­schen Landes­in­sti­tut Rhein­land-Pfalz finden ab Herbst 2021 Schulun­gen statt. Die Inhalte können sowohl in Form von zweistün­di­gen Präsenz-Veran­stal­tun­gen als auch digital vermit­telt werden.

Mit Finan­zie­rung durch einen entspre­chen­den Projekt­part­ner ist zudem eine Auswei­tung in andere Regionen und Bundes­län­der denkbar.

REACH

Das Schulungs­an­ge­bot Eltern Lesen Lernen entstand als eines von drei Pilot­pro­jek­ten im Rahmen des Forschungs- und Entwick­lungs­pro­jekts REACH. Das Vorhaben REACH wird im Rahmen der Natio­na­len Dekade für Alpha­be­ti­sie­rung und Grund­bil­dung vom Bundes­mi­nis­te­rium für Bildung und Forschung finan­ziert. Über REACH werden Zugangs­wege identi­fi­ziert, über die gering litera­li­sierte Erwach­sene erreicht werden können, um sie dafür zu motivie­ren, ihre Lese- und Schreib­fä­hig­kei­ten zu verbessern.

Mehr zu REACH und den Pilot­pro­jek­ten unter
reach​-stift​ung​le​sen​.de

Hier Angebote aus dem Schulbereich

Die Stiftung Lesen engagiert sich mit einer Vielzahl von Program­men dafür, dass bildungs­be­nach­tei­ligte Kinder, Jugend­li­che und Erwach­sene einen einfa­che­ren Zugang zum Lesen und bessere Bildungs­chan­cen erhalten. Hier finden Sie Infor­ma­tio­nen über die aktuel­len Programme im Bereich „Schule und Jugend“.

Lesen mit App

Lesen mit App ist ein digita­ler Service für Familien und Fachkräfte in Kita und Schule. Ein Experten-Gremium prüft Apps zur Sprach- und Leseför­de­rung. So entste­hen ständig neue App-Bewer­tun­gen und Rezen­sio­nen auf www​.lesenmit​.app. Außerdem finden sich hier Fortbil­dungs­an­ge­bote und Infor­ma­tio­nen rund um den Einsatz von Apps zu Hause, in der Kita oder in der Schule.

Kinder, Mint & Literacy

Unter dem Motto „Auf Entdeck­er­reise zum Geschich­ten­schatz“ wird pädago­gi­schen Fachkräf­ten in einer kosten­lo­sen Fortbil­dungs­reihe aufge­zeigt, wie forschen­des Lernen und alltags­in­te­grierte Sprach­bil­dung im Kita-Alltag Hand in Hand gehen können.
-> stift​ung​le​sen​.de/​K​i​n​d​e​r​_​M​I​N​T​_​u​n​d​_​L​i​t​e​r​acy

#medienvielfalt

Das Programm „#medien­viel­falt“ zeigt, wie verschie­denste Medien im Kita-Alltag kreativ einge­bun­den und Vorlese-Aktionen gestal­tet werden können, um bei den Kindern Freude an Sprache und Geschich­ten zu wecken.
-> stift​ung​le​sen​.de/​m​e​d​i​e​n​v​i​e​l​f​alt

Lesestart 1-2-3

Lesestart 1-2-3 ist ein bundes­wei­tes Lese- und Sprach­för­der­pro­gramm für Familien mit Kindern im Alter von einem, zwei und drei Jahren. Es wird vom Bundes­mi­nis­te­rium für Bildung und Forschung (BMBF) geför­dert und von der Stiftung Lesen durch­ge­führt. In drei aufein­an­der folgen­den Jahren erhalten die Eltern für ihre Kinder kosten­freie Lesestart-Sets, um sie zum Vorlesen und Erzählen im Alltag zu motivieren.
-> lesestart​.de

einfach vorlesen!

einfach vorlesen!“ ist ein Vorlese-Service von Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung. Wöchent­lich stehen auf www​.einfach​vor​le​sen​.de drei neue Vorle­se­ge­schich­ten aus bekann­ten Kinder­buch­ver­la­gen kosten­frei zur Verfü­gung, die sich für Kinder ab 3, 5 und 7 Jahren eignen.

Projektpartner Sparkassen-Finanzgruppe Hessen-Thüringen

Seit Jahren setzen sich die Sparkas­sen in Hessen für Bildungs­ge­rech­tig­keit und Chancen­gleich­heit ein.

Leseför­de­rung für Kinder­gar­ten- und Grund­schul­kin­der ist dabei ein Schwer­punkt. Da gerade das Vorlesen ein wichti­ger Baustein für die spätere Lesekom­pe­tenz ist, ist es unerläss­lich, Eltern zu befähi­gen, dass sie Kindern vorlesen können.

Eltern Lesen Lernen sensi­bi­li­siert Erzie­he­rin­nen und Erzieher in Kinder­ta­ges­stät­ten dafür, gering litera­li­sierte Eltern an Programme heran­zu­füh­ren, damit sie das Lesen erlernen und ihre Kinder auf ihrem eigenen Weg unter­stüt­zen können.“

Gerhard Grandke, Geschäfts­füh­ren­der Präsi­dent der Sparkas­sen Finanz­gruppe Hessen Thüringen

Projektpartner

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